Mein erster eigener Laden – mit kleinem Budget

Ich freue mich sehr, diesen Blog zu schreiben.    :  )

Einmal denke ich, dass dieses Thema viele Leute interessieren könnte. Gerade die, die schon immer mit der Idee gespielt haben, einen eigenen kleinen Laden zu führen. Der eigene Chef oder Chefin zu sein. Bei meinem Blog  geht es um die Planung und Umsetzung eines kreativen Handmade-Geschäfts in der wundervollen Hansestadt Stade (nahe Hamburg).

 

Auf der anderen Seite habe ich natürlich auch etwas davon. Sozusagen eine Win-win-Situation. Es ist so eine Art Tagebuch für mich. Dort möchte ich gerne festhalten, wie alles begonnen hat, welche Erfolge und Misserfolge geschehen sind. Außerdem hilft das Schreiben mir, mich gedanklich zu sortieren und an alles zu denken, was wichtig ist.

 

Und das sollte alles auch noch mit einem kleinen Budget erfolgen. Viel mit viel Geld zu erreichen ist einfach. Die Königsdisziplin ist aber, aus ganz Wenig ganz Viel zu machen. Das Thema hat mich schon immer  gereizt.

Den Laden könnt ihr auf dem oberen Bild rechts ganz hinten sehen. Noch ist er leer und „unbewohnt“. Das wird sich bald bald ändern. Er befindet sich in einem der ältesten Häusern in Stade, im Hökerhus. In der Hökerstraße 29 + 31.

Also los geht’s. Folgt mir in ein großes Abenteuer. Langgehegte Wünsche werden wahr.

 

Ladeninventar

Ich glaube, was viele von einem eigenen Laden abhält, sind die unabsehbaren Kosten, die vor allem zum Anfang vermehrt anfallen. So kann gerade die Erstausstattung des Geschäfts mit Möbeln leicht in die Tausende Euro gehen und das ist nicht mal besonders hoch gegriffen.

Irgendwie habe ich mir da komischerweise gar keinen großen Kopf gemacht. Erstens bin ich handwerklich begabt und zweitens eine Kreative. Und bekanntermaßen macht ja auch Not erfinderisch. Ich wollte einfach nach alten Holzschränken und Regalen in Läden suchen, die gebrauchte Möbel für sehr wenig Geld verkaufen. Ich finde die Idee schön, dass man Sachen noch mal mit einem neuen Wert versieht, die andere für nutzlos halten und auf den Müll werfen.

Allerdings brauchst Du dazu ein geübtes Auge, das die verborgene Schönheit der Teile erkennen kann. Ich sammele solche Stücke schon seit Jahren und freue mich immer wieder wie ein Kind,  wenn ich ein neues Stück ergattert habe und es dann einen besonderen Platz in unserem Haus erhält. Solche alten Sachen haben einfach eine unschlagbare Ausstrahlung. Dieses Gefühl hast Du bestimmt nicht beim Kauf eines neuen Ikea-Regals. Stimmt’s?

Erst wird das Fundstück gründlich gewaschen, mit Salz von schlechten Energien geklärt (da muss man nicht dran glauben, schaden tut es auf jeden Fall auch nicht) und dann meistens mit einer weißen Farbe auf shabby getrimmt. Darin habe ich über die letzten Jahre schon viel Erfahrung gesammelt. Meistens nehme ich verschiedene Weißtöne und streiche die unregelmäßig auf die Fläche, so dass der Eindruck einer alten abgenutzten Holzmaserung entsteht. Wer ganz viel Zeit hat, kann auch noch mit einer dunkleren Farbe gerade an den Kanten arbeiten. Die wird dann hell überstrichen und ein wenig wieder mit Schmiergelpapier hervorgeholt. Das ergibt dann den Eindruck, dass viele Lacke übereinander gestrichen wurden über die Jahre und durch den Gebrauch wieder langsam abblättern.

So war der Plan. Dieses Mal lief es aber ganz anders bei mir. Ich bummelte durch die Läden in der Innenstadt. Auf der Suche nach guten Ideen für meine Warenpräsentation. Wie bauen die anderen ihre Produkte auf? Sich an der Konkurrenz orientieren und es dann vielleicht noch besser machen, ist immer ein super Tipp. Da fiel mein Blick plötzlich in einem Geschenkeladen auf einen zerlegten Holztisch. Darin stand ein Zettel mit dem Preis 15€ drauf. Ich fragte gleich eine Verkäuferin, ob der Tisch kaputt sei oder warum er so günstig angeboten wird. Sie erklärte mir freundlich, dass sie gerade Inventarwechsel haben und ob ich an weiteren Ladenmöbeln interessiert sei. Und ob ich das war! So erstand ich für nur insgesamt 150€ fünf Holztische mit Rollen, zwei große Holztische und noch eine Pyramide mit Rollen.

Ich bin ein großer Fan von diesen Ladenmöbeln mit Rollen. Die sind mega praktisch. Einmal kann man sie von allen vier Seiten mit Produkten „bespielen“. Und dann noch toller, durch die Rollen kann man die Tische im Raum herumschieben und ganz leicht drehen. So sieht der Laden immer wieder neu dekoriert aus und alle Waren bekommen mal die guten Plätze. Ohne Umräume und Tische schleppen.

Im Moment bin ich gerade am Streichen der ganzen Möbel. Die Pyramide war eine besondere Herausforderung für mich. Sie hatte sehr viele senkrechte Acrylplatten, die verhinderten, dass die Waren durcheinander purzelten. Ich wollte aber lieber eine offene Fläche ohne diese Fächer. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Holzrillen, in denen die Plastikplatten steckten, zu zu spachteln. Damit war ich doch tatsächlich zig Stunden beschäftigt. Nach dem Verspachteln musste ich immer wieder die Fläche mit Schleifpapier glatt schleifen. Gerade trocknet das Ganze und morgen kann drübergestrichen werden. Natürlich in  shabby weiß, passend zu den anderen Ladenmöbeln.

Ladengemeinschaft oder doch lieber alleine Chef sein?

Die Frage, wieviel Geld kann ich monatlich für die Ladenmiete aufbringen, steht ganz am Anfang Deiner Immobiliensuche. Leider gibt es gerade unter den Gewerbeimmobilien nur wenige, die halbwegs bezahlbar sind. Falls Du so wie ich mit einem kleinen Budget starten musst, wird die Suche somit enorm eingeschränkt und schwierig.

Die Lösung hierzu kann eine Ladengemeinschaft sein. Du teilst Dir dann den kompletten Laden mit mehreren möglichst gleichgesinnten Leuten.

Das hat den enormen Vorteil, dass Du Dir die Ladenmiete sowie sämtliche sonstige Kosten mit anderen teilst. Das gilt natürlich auch für die Arbeitszeiten, die im Laden anfallen. Ein gut funktionierendes Team ist somit ziemlich stark und kann sehr viel bewegen. Du kannst gemeinsam in einer Gruppe teurere Mietobjekte meistern, vielleicht sogar in besseren Lagen, die Du Dir alleine vielleicht finanziell nicht hättest leisten können. Die umfangreichen Ladenöffnungszeiten werden zudem auf mehrere Schultern verteilt, so dass das auch zu mehr Freizeit für jeden Einzelnen bedeutet. Krankheit oder Urlaubszeiten können in einer Gruppe viel leichter aufgefangen werden als beim Allein-Unternehmer.

Das gute Funktionieren der Gemeinschaft setzt vor allem voraus, dass alle Teammitglieder die gleichen Ziele verfolgen. Die solltest Du vor Deiner Ladengründung besser in einem offenem Gespräch abklären. Super wäre es, wenn Du die anderen gut kennst und ihr am besten schon miteinander gearbeitet habt. Die Praxis sieht aber meistens anders aus. In dem Fall solltet ihr Euch vor Beginn des Ladenprojekts lieber ausreichend Zeit nehmen, um Euch besser kennen und verstehen zu lernen. Stellt Euch gegenseitig die wichtige Frage, warum jeder Einzelne diesen Laden machen will. Das ist gut investierte Zeit, die Euch späteren Ärger eventuell vermeidet.

Eine Ladengemeinschaft hat aber den großen Nachteil, dass viele Themen gemeinsam besprochen und dann abgestimmt werden müssen. Das ist häufig schwierig, nervig und sehr zeitraubend. Vielleicht kennt ihr Euch doch nicht so gut, wie gedacht. Vielleicht sind aber auch Eure Interessen zu unterschiedlich. Schon manche Ladengemeinschaft ist an diesen Hürden gescheitert.

Ein weiterer Nachteil ist, dass der Laden durch den ständigen Input der Beteiligten sich eventuell in eine andere Richtung entwickelt, als wenn Du das Geschäft alleine geführt hättest. Du solltest Dir sehr gut überlegen, ob Du mit solch fremden Entscheidungen dann auch wirklich leben kannst. Meine Söhne haben dafür den netten Begriff „Bestimmer“ entwickelt. Wenn Du also ein „Bestimmer“ bist und Dich mit fremden Entscheidungen über Deinen Kopf hinweg schwer tust, dann lass besser die Finger von einer Ladengemeinschaft. Gründe lieber Dein eigenes Geschäft und mach Dein eigenes Ding. Das ist zwar an vielen Stellen schwieriger als im Team, Du findest aber eher Deinen Seelenfrieden.

Ich glaube, dass ich auch eher zu den „Bestimmern“ zähle. Zumindest meinte dies ein Ladenbeteiligte zu mir, dass ich doch immer meinen Kopf durchsetzten müsse und so lange keine Ruhe gäbe, bis ich das dann auch kriege. Damit liegt sie wohl nicht ganz falsch. Ja, ich habe in zwei Ladengemeinschaften in HH und Göttingen mitgemacht. Und möchte diese wunderbaren Erfahrungen nicht missen. Vielleicht ist dieses Mal Allein-Unternehmertum angesagt. Das ist das erste Mal. Ich bin sehr gespannt auf diese Lernwiese.

Haftung für Tipps

Ihr Lieben, beachtet bitte, dass alle Empfehlungen und Tipps von mir ausschließlich eigene Erfahrungen sind und nicht allgemeingültig gelten oder gelten können. Jeder hat andere Voraussetzung bei so einer Gründung. Seht es einfach als Gedankenanregung. Und probiert nur das aus, was sich für Euch richtig gut anfühlt. Und gerade in rechtlichen Angelegenheiten fragt lieber noch mal einen Anwalt, nur um auf der sicheren Seite zu sein.

Nähere Einzelheiten hierzu, siehe unter Impressum (Haftungsausschluss).

Die Suche nach der passenden Gewerbeimmobilie

Wie findet man eine Gewerbeimmobilie? Die Suche an sich gestaltet sich recht einfach. Ob man dann wirklich seinen Traumladen findet,  steht auf einem anderen Blatt.

Sich erst mal im Bekanntenkreis umzuhören, ist sicherlich ein guter Einstieg in eine erfolgreiche Suche nach einer passenden Immobilie. Viele Gewerbeimmobilien werden unter der Hand weitergereicht und erscheinen erst gar nicht auf dem freien Markt. Da unsere Familie erst kürzlich nach Stade gezogen ist, hatten wir anfangs noch wenig Bekannte, die wir nach einem leerstehenden Laden fragen konnten.

Also blieb die Onlinesuche. Hier kann man sich das Leben sehr vereinfachen, in dem man Suchagenten mit den für sich passenden Angaben erstellt. Ich persönlich habe mit www.immobilienscout24.de und www.immonet.de recht gute Erfahrung gemacht. Man wird regelmäßig per Mail mit neuen Angeboten versorgt und kann dann über Kontaktformulare sich mit den Maklern und Eigentümern in Verbindung setzen.

Natürlich schadet auch der Blick in den Immobilienteil der Tageszeitung nicht. Allerdings finde ich die Onlinesuche einfacher und effektiver. Ist sicherlich Geschmackssache.

Und dann zuletzt noch Augen auf beim Bummel durch die Innenstadt. An allen Ecken finden Geschäftsauflösungen statt. Am besten gleich hingehen und nach dem Eigentümer fragen. Dann ist man vielleicht bei den ersten Suchenden dabei und hat dadurch einen kleinen Konkurrenzvorteil.

Es gibt bestimmt noch andere Suchmöglichkeiten. Aber ich kam mit den oben genannten ganz gut klar.

Jetzt heißt es bei der Suche dran bleiben und nicht so schnell aufgeben. Glück gehört natürlich auch dazu. Außerdem je klarer man sich ist, welche Anforderungen der Laden haben soll, desto einfacher gestaltet sich die Suche. Man kann z.B. bei begrenztem monatlichem Miet-Budget teure Läden von vornherein (durch gewisse Suchfilter) ausschließen.